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1.4

1.4 das ist für die meisten Menschen eine eher nichts sagende ungerade Zahl. Eine Zahl ohne Bedeutung. Wird die Zahl um ein paar weitere Zahlen ergänzt, sieht das für alle Fotoleute schon wieder etwas anders aus. In etwa so:

1.4; 2.8; 5.6; 8 zum Beispiel. Ja richtig, es geht um Blendenöffnungen. Also quasi um die mögliche Lichtmenge die eine Blende beim Fotografieren durch ein Objektiv lässt. Ich könnte jetzt eine 7-seitige Abhandlung über die physikalischen Zusammenhänge von Blende und Lichtmenge und Tiefenschärfe verfassen. Viele Leser würden sich genervt abwenden. Andere wüssten sowie so schon bescheid.

(Ich verweise daher hier mal auf Wikipedia)

Jedenfalls, abgekürzt auf den Punkt gebracht: Ich mag lichtstarke Objektive mit einer möglichst großen Blendenöffnung. 1.4 ist zum Beispiel eine relativ große Blendenöffnung. Was bringt mir das ? Eine möglichst große Unschärfe der nicht fokussierten Bereiche und oder eine ganz bestimmte Bildwirkung.

Es geht primär darum den Hintergrund in einer möglichst homogenen Unschärfe (Kenner verwenden hier gerne das japanische Wort Bokeh „Bukä“ was übersetzt Blur/verwischen bedeutet) „verschwinden“ zu lassen:

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Jedenfalls hat sich Herr Crosa wieder mal ein neues (eigentlich ein altes, und zwar in doppelter Hinsicht. Einmal alt weil es seit 1995 gebaut wird und es inzwischen seine neue AF-S Version gibt und zweitens weil ich es wie fast immer gebraucht gekauft habe) Objektiv gegönnt. Das Nikon 50 1.4 AF-D. Warum das alte AF-D ? Warum nicht das neue ? Ich hatte das neue und sagen wir mal es hat mich nicht vom Hocker gerissen. Ich habe es gegen ein Sigma 24 1.8 getauscht. Ich wollte eigentlich komplett auf 50mm verzichten. Mit 24, 35 und 85mm sah ich mich komplett ausgestattet. (Es gibt auch noch ein 2.8er Tamron Zoom 28-75mm)

Fast 4 Wochen krank zu Hause mit zu viel Zeit und vor allem zu viel Zeit in diversen Foren wurde irgendwie doch der Wunsch nach etwas neuem wieder wach. Ich habe mich für das alte Entschieden. Ich liebe mein AF-D 35 2.0 Das Metallgehäuse fasst sich einfach toll an. Ich habe auch das Gefühl die alten Linsen haben irgendwie Charakter. Nich so kalt und klar und nur auf Schärfe getrimmt wie die aktuellen AF-S Serien.

Darüber kann man sicher Seitenweise streiten und anderer Meinung sein. Ich sehe es so. Natürlich wäre das 35 1.4 AF-S eine ganz andere Nummer, aber mit 1700,- EUR ist das einfach ganz weit weg.

Genug erzählt. Vor einigen Tagen war ich mit dem 50 1.4 unterwegs und hab das ein oder andere Mal die Blende komplett auf 1.4 aufgerissen. Auch in Situationen in denen das eigentlich unnötig war. Nur um die Linse und ihr Offenblendenverhalten etwas besser kennen zu lernen. Ja so ist das mit einem neuen Objektiv. Man kennt sich noch nicht wirklich. Fast wie bei einem ersten Date. Vorsichtig kommt man sich näher, lernt die Eigenheiten des anderen langsam kennen und verstehen….

(Ja, ein eher langweiliges Bild. Aber durchaus „scharf“)
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Der Schärfebereich bei 1.4 ist schon recht schmal:
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Gut, in der 100% Ansicht zeigt sich schon die fehlende Schärfe, normal würde ich dieses Bild auch niemals mit Blende 1.4 machen, eher vielleicht 2 oder 2.2. Das würde immer noch ausreichen den Vordergrund unscharf wirken zu lassen:
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Nicht schlecht für Offenblende:
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auch hier würde ich normal eher Blende 2 bis 2.2 wählen:
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Ok, hier zeit sich das Bokeh nicht von seiner schönsten Seite. In der Vergrösserung sind die Lichtkreise der Sonne eher unschön. Man könnte auch sagen, Charakter ist nicht immer nur positiv 😉

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Hier passt der Hintergrund wieder. (Gut, sonderlich spannend ist das Foto nicht…. eher Testfoto 😉 )
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Hier zeigt sich recht schön die Schärfe bei Offenblende. Die Statue ist auch bei 100% Ansicht scharf:
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Oh wie ich die Unschärfe des Baumes im Hintergrund liebe. Ganz großes Kino !!!
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Die letzten Herbstfarben. Doch ausreichend scharf.
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Das Bild mag ich. Der Turm erscheint durch seine Freistellung wesentlich schärfer als er in der 100% Ansicht tatsächlich ist. Offenblenden-Effekt gelungen 😉
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Auch hier ein relativ kleiner Bereich der tatsächlich scharf ist. Die maximale Schärfe liegt bei den beiden Löchern. Der „Bolzen“ zur Aufnahme der Schaufel ist schon wieder relativ unscharf.
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Schild geht immer. Der Businesstower im Hintergrund ist vor lauter Unschärfe schon gar nicht mehr als solcher zu erkennen:
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Hier würde ich sonst ebenfalls die Blende etwas weiter schliessen. Die Blende 1.4 bringt mir aber trotzdem eher rauscharme ISO 2000.
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Hier sogar ISO 320. Durchaus ansehbar das Bild bei Blende 1.4
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Hier noch ein Bild welches den hohen Dynamikumfang des Nikon-Sensors zeigt. (Der Regel Tiefen wurde in Lightroom fast bis zum Anschlag aufgerissen, Lichter deutlich verringert)
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So und hier endet er schon, der Bericht meines Kennenlern-Dates mit meinem neuen Objektiv. Fast nackt hat es sich gemacht, mit seiner Offenblende. Aber genau das wollte ich herausfinden. Wie ist es offen… Auch wenn wie ich schon oben geschrieben habe etliche gemachte Fotos im Alltag weiter abblenden würde kenne ich die Eigenheiten jetzt doch etwas besser.

Für alle Nikon Kamera-Besitzer die zwischen AF-S 50 1.4 und AF-D 50 1.4 hin und hergerissen sind vielleicht ganz brauchbare Bilder 😉

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