Zurück zum Content

Schuld

Eines vorneweg: Ich möchte niemand in Schutz nehmen, niemanden zu Nahe treten, einfach nur zum Nachdenken anregen. Ein schreckliches Unglück hat sich hier in der Nähe von Nürnberg in Lehrberg ereignet. 5 Menschen sind gestorben, zwei schweben immer noch in Lebensgefahr, viele sind schwer Verletzt. Eine schreckliche Verwüstung hat stattgefunden. Es wurde ermittelt, wie konnte der Gastank explodieren ?

Als ich heute auf dem Weg nach Hause im Radio erfahren habe das offenbar ein Monteur irrtümlich einen defekten Gashahn ausgebaut hatte habe ich mir versucht vorzustellen wie dieser Mensch mit einer derartigen Schuld umgehen kann.

Hat nicht jeder mal einen Tag an dem er irgendwas in den Sand setzt ? Einfach kurz unkonzentriert ist, mit den Gedanken wo anders ? Vielleicht ein Streit am Vortag, von der Freundin/Frau/Lebensgefährtin verlassen worden ? Ich denke jedem von uns ist so was schon mal passiert. Eine kurze Unachtsamkeit/Gedankenlosigkeit im Berufsalltag und es ist passiert. Natürlich lässt sich das nicht so einfach vergleichen und wir werden vermutlich auch niemals erfahren warum dieser Fehler passiert ist. Wer an einem Gastank arbeitet hat das mit ganz anderer Sorgfalt zu tun als ein Bäcker beim Brötchenbaken. Im obigen verlinkten Beitrag heist es unter anderem:

Nach der Entfernung des Ventils seien zwei Kilo Propangas pro Sekunde aus der Öffnung geströmt. Der Druck sei viel zu groß gewesen, um es wieder anzuschrauben. «Es war auf jeden Fall ein Fehler, das Ventil raus zu machen», sagte der Oberstaatsanwalt. Absicht sei dem Handwerker jedoch nicht zu unterstellen.

Ich möchte mir auch kein Urteil über den beschuldigten Erlauben, mir sind nur genau diese Gedanken den Rest des Weges durch den Kopf geschossen.

Den Angehörigen wurde ein geliebter Mensch genommen. Dieser Verlust ist durch nichts zu ersetzen. Die Frage der Schuld liegt schwer im Raum. Fahrlässige Tötung in fünf Fällen wird wohl die Anklage lauten. Egal welche Strafe, keine wird schwerer wiegen als die Schuld die der Monteur für den Rest seines Lebens mit sich tragen muss.

2 Comments

  1. Ja, jemanden durch eine Unachtsamkeit zu töten ist der Horror meines Lebens. Jeden Tag fahre ich ca. 75 Kilometer im Auto herum. Ich will niemals jemandem nicht mehr ausweichen können…. Vor allem keinen Kindern! Sonst kann ich mir auch gleich den nächsten Baum suchen, mit dem Gewissen käme ich nicht klar…

  2. Jemanden aber durch Unachtsamkeit anderer zu verlieren ist auch der Horror. Was mir sehr wichtig ist, sich immer „im Guten“ zu trennen (meine jetzt temporär, wenn TD zb abends heim fährt oder man sich erst in zwei Tagen wieder sieht). Es sind Menschen, die Fehler machen. Deshalb sind wir Menschen. Und auch das gehört nunmal zum Leben. Als Angehöriger kann man aber in so einem Fall einen dermaßen großen Hass entwickeln. Ein Beispiel: Vor meinem Haus. Spielstraße. Irgendein GTI-Fahrer brettert mit 80 km/h durch. Mein Kind geht just in diesem Moment über die Straße. Der GTI „nimmt“ ihn mit. Leute, ich sag’s ganz ehrlich, DER würde das nicht überleben!!!

Die Kommentarfunktion steht nicht zur Verfügung.